Als Selbstversorger auf dem Hof aufgewachsen – Elke

Ich sitze bei Elke mit ihrer Tochter in der Küche. Mit leeren Händen bin ich nicht gekommen. Diesmal habe ich Kuchen mitgebracht. Während wir ein Stück von dem Streuselkuchen essen, frage ich danach, wie Elke als Kind aufgewachsen ist.

Als Kind bin ich auf einem landwirtschaftlichen Hof aufgewachsen. Leider ist mein Vater sehr früh verstorben, sodass meine Geschwister, Oma und Mutter den Hof fortführen mussten. Mit zwei Jahren bin ich durch eine Sondergenehmigung in den Kindergarten gekommen. Die Erzieher hatten mich überall mitgenommen, sodass ich viel gesehen habe – selbst beim Frühstück machen war ich dabei.

Einige Jahre später war ich etwas kräftiger und konnte mit auf dem Hof anpacken. Nun waren wir fünf starke Mädels, die den landwirtschaftlichen Betrieb aufrecht erhielten. Es musste ja weitergehen.

Ich muss gerade etwas schlucken, wenn ich das so höre. Das ist auch außergewöhnlich als Kind in eine solche Situation geworfen zu werden.

Was willst du machen? Aufgeben war keine Option und wir mussten irgendwie nach vorne schauen. Anstatt ich in der Küche am Herd gestanden habe, war ich lieber draußen und habe den Stall ausgemistet. Auch wenn es Arbeit an den Leitungen gab, war ich diejenige, die das repariert hat.

Ich behaupte, dass ich noch heute keine gute Hausfrau bin. Lieber beschäftige ich mich mit technischen Dingen.

Elke mit ihrem persönlichen Familienkochbuch

Was hat sich für dich von damals zu heute verändert?

Die Zeit, die mir fehlt. Wobei. Für einige Dinge möchte ich mir auch nicht mehr die Zeit nehmen. Früher war ich noch gerne im Garten und habe die Arbeit erledigt. Mittlerweile ist es für mich eine Belastung und ich hätte lieber gerne eine Dachterrasse.

Liebe Elke. Den Garten würde ich dir sofort abnehmen und einige Schafe auf die Wiese lassen.

(lach) Den kannst du haben, wenn du mich auch mal zum Grillen einlädst.

Das klingt gut. Anscheinend grillst du gerne. Hast du ein Lieblingsrezept?

Ein richtiges Lieblingsgericht habe ich da gar nicht. Viel mehr bin ich ein Koch von gestern. Ich mag gerne Dinge, die es auch in meiner Kindheit gab – Gemüse durcheinander, Möhrengemüse, Stielmus, Kohlrabi in weißer Sauce…

Das scheint dir wichtig zu sein. Hast du diese Gerichte als Kind selber gekocht?

Ich hab früher eigentlich nie gekocht. Für mich war es schon ausreichend ein Ei zu braten. Als Kind habe ich auch schon sehr selten, trotz eines landwirtschaftlichen Hofes, Fleisch gegessen – das ist auch heute noch so. Wenn ich das auf einen Punkt zusammenfassen müsste, könnte ich sagen, dass ich von Apfelmus, Kartoffeln und Sauce groß geworden bin. Ich kann dem modernen Essen nichts abgewinnen.

Ich höre aus deinen Worten heraus, dass du eine gewisse Tradition magst.

Auf jeden Fall. Ich denke, wenn man vom Bauernhof kommt, da gehört das irgendwie dazu.

Dann wart ihr sicherlich kaum einkaufen. Auf eurem Hof hattet ihr bestimmt vieles angebaut?

Wir waren mit unserem Garten komplette Selbstversorger. Der wurde komplett für Spargel, rote Beete und viel mehr genutzt. Aus den Zutaten haben wir viel in Gläser eingemacht – musste alles verwertet werden. Wenn es nicht ins Glas kam, dann wurde es eben eingefroren. Meine Mutter hatte zwei große Kühltruhen und die waren voll bis oben hin.

War es typisch für die Generation alles einzufrieren?

Alle hatten früher riesige Nutzgärten und all das musste auch irgendwie genutzt werden. Da kam der Platz für die nächste Kühltruhe gerade recht. Wir hatten auch nie viel Geld, da mussten wir in dem Sinne auch sparen.

Da wir bald Weihnachten haben, würde ich gerne noch auf die Tradition zurückkommen. Wie sieht Weihnachten bei euch aus?

Das haben wir noch nicht besprochen. Wir feiern gerne mal bei uns im Haus und mal bei meiner Schwester auf dem Hof. Dafür haben wir keine feste Regelung.

Früher war es so, dass die ganze Verwandtschaft meiner Mutter zu uns auf dem Hof kam. Ein Tag vor Weihnachten haben wir Heringssalat gemacht – für all die Leute musste eine riesige Schüssel her. Wenn wir alles für den Salat vorbereitet haben, habe ich auch jedes Jahr einen Schlag in den Nacken bekommen…

Wie meinst du das?

Meine Oma ging wie ein Feldwebel hinter uns her und schaute, dass wir die Stücken auch klein genug schneiden. Beim ersten Mal gab es eine Warnung. Beim zweiten Mal musste schon unser Nacken daran glauben. Und dabei habe ich immer Heringssalat gehasst…

Ich behaupte du hast bestimmt nicht getraut etwas zu sagen oder was gab es stattdessen für dich?

Doch. Für mich gab es dann Toast mit Leberwurst (lach). Heutzutage ist es so, dass man am 24. Dezember ein gutes Gericht hat. Früher war das anders – eher ein karges Essen. Das festliche Essen gab es immer erst an den Feiertagen – Ente, Fasan etc.

An Weihnachten geht es ja darum eine schöne Zeit mit der Familie zu verbringen. Du hast einen Mann und zwei Töchter. Schafft ihr es euch regelmäßig an den Esstisch zu setzen?

Als Krankenschwester im Schichtdienst ist es nicht immer leicht. Da gibt es selten feste Zeiten. Mein Mann Martin ist selbstständig und oft kommt etwas unvorhergesehenes dazwischen. Wir versuchen nach wie vor, dass wir zumindest zusammen am Sonntag frühstücken. Dabei ist es egal, ob es um 9, 12 oder sogar 2 Uhr ist.

Das stellen wir uns wirklich nicht einfach vor. Du musst dich immer an deinen Schichtplan richten.

Ich glaube, wenn man 35 Jahre Schichtdienst macht, ist man irgendwann versaut. Ich könnte genauso gut morgens um 6 Uhr eine Bratwurst essen. Es gibt keinen festen Alltag. Die Einteilung, wie viele andere sie haben, habe ich schlichtweg nicht. Doch mit meiner Spontanität komme ich hier in Westfalen gut an.

Ich danke dir liebe Elke für deine Zeit und dein persönliches Kochbuch. Dort finden sich bestimmt viele schnelle Rezepte wieder, womit du anderen Menschen – vor allem im Schichtdienst – hilfst. Meine Bewunderung und Verständnis hast du. Ich kann mir nur grob vorstellen wie schwer es ist, wenn der Schichtplan den Alltag bestimmt. Da wird es auch mit der Familie nicht immer einfach gewesen sein. Eines haben wir noch vergessen, Elke. Wir müssen konkreter über den Garten sprechen…

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